(Fotos: Roland Weber, xyzoom.de)
Mit einer ausführlichen Einführung in Kerstin Könnekers Arbeiten eröffnete der Publizist und 3sat-Moderator Gert Scobel am 22. September die Ausstellung »Farben!« im Schloss Neckarhausen. In seinem Vortrag vor rund 100 Gästen ging er u.a. auf den Titel der Ausstellung ein. Über Jahrhunderte seien Farben nur Mittel gewesen. Mit ihnen hätten die Künstler dargestellt, was man sah. »Und jetzt? Ist Farbe selbst nicht schon Form? Oder ist sie formlos?« Das müsse man, so Scobel, wohl verneinen, »denn die Farbe hat ja Grenzen. Also Formen. Verschiedene Maler haben, so wie Kerstin Könneker in Ihrer Ausstellung ›Farben!‹ hier im Schloss Neckarhausen, damit experimentiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Farben nicht formlos sind. Und dass sie nicht beliebig sind.« Schließlich hätten Farben spezifische Wirkungen.
Das Malen sei mehr als »ein Zusammenbringen von Farben und Formen, von einzelnen Bild-Elementen auf das Ganze, das man Leinwand nennt und das am Anfang leer ist.« Malen sei vielmehr »ein intensiver emotionaler Prozess« – und das merke man Kerstin Könnekers Bildern an. Scobel forderte die Gäste der Vernissage auf, sich vorzustellen, vor Publikum über die eigenen Gefühle sprechen zu müssen. Erst nach großen anfänglichen Unsicherheiten könne man dabei in einen Flow kommen.
Um diesen Flow gehe es auch in den Bildern von Kerstin Könneker. »Was Sie sehen, ist das jeweilige Ende langer Prozesse. Viele Dinge sind Ihnen dabei zunächst verborgen. Warum? Weil das Schwarz oder Dunkelblau, das Sie sehen, eben kein Schwarz oder Dunkelblau ist und erst recht nicht aus der Tube kommt, sondern sich auf komplexe Weise addiert, mischt und zusammensetzt aus darunterliegenden Farben, Farbresten, die wie Erinnerungen im Halbdunkel durchscheinen. Sich ergänzen, zusammenfinden und am Ende die Farbe ergeben, die Sie sehen«. Dies erzeuge ein »Flirren« und eine Bewegung, die die Bilder ausmache.
Kerstin Könnekers Technik benötige viel Kraft, »wirkliche körperliche Kraft und Einsatz, etwa wenn es darum geht, etwas abzukratzen, wegzuholen: im Schichtbetrieb sozusagen, unter Tage mit den eigenen Gefühlen, Erfahrungen und den Farben.« Und plötzlich verändere eine kleine, gekratzte Struktur auf der Leinwand die Wahrnehmung der gesamten Leinwand. Denn auch sie wirke auf die Grundstruktur. »Mit einem Mal wird die Maserung eines Holzes sichtbar; die Leinwand wird zu Holz, zu einem anderen Material: und zwar durch die Wahl der Farbe und die Wahl der Mittel, diese Farbe auf- und abzutragen«. Gerade dieses Wegnehmen schaffe paradoxerweise neue Strukturen.
Der Bericht des »Mannheimer Morgen« hob hervor: »Erster Blickpunkt war das in Südfrankreich entstandene Gemälde ›Aix-en-Provence‹. Der fulminante Aufbau des Bildes ließ erkennen, dass hier niemand mit feinem Pinsel zu Werke gegangen war.«