



MARE NOSTRUM
2016
Acryl und oxidierter Eisengrund auf Leinwand
120x160cm
2500,-
Bildnachweis Fotos: Roland Weber / xyzoom.de
»Es gibt Bilder mit Eisengrund, der erstmal rosten muss, damit die Farbe wirklich erscheinen kann. Dieser Prozess ist zur Farbe geronnene Zeit. Und dann kann Rost auf einmal aussehen wie getrocknetes Blut – wie im Bild ›Mare Nostrum‹. Der Titel schafft dann weitere Assoziationen: Meer, verrostete Boote, aber auch Blut, also Leben und Tod auf dem Wasser. Man muss, um solche Dinge zu finden in den Farben, mit den Farben und den eigenen Gefühlen experimentieren.« (Gert Scobel am 22. September 2018 in seiner Einführung zur Vernissage der Ausstellung »Farben!«)
Was ist Besitz? Was ist zugehörig? Wo ist jemand zugehörig? Wann gehört er dazu? "Mare Nostrum" stellt uns vor grundlegende Fragen. "Unser Meer", so nannten es die Römer – als ob man einen Ozean besitzen könnte. Heute, ohne ein umspannendes Weltreich wie in der Antike, kommt die menschliche Hybris in dem Begriff noch unerträglicher zum Vorschein. Doch das "uns" und "nicht euch" kennzeichnen unsere Epoche, das frühe 21. Jahrhundert. Hier sind wir, ihr gehört nicht hierher; aus warmen weichen Stränden werden so harte kalte Mauern, von denen kompromisslos abgehalten werden soll, wer von anderswo kommt. – Was geschieht da auf "unserem Meer"? Kerstins Bild erscheint gebrochen, in "unser" schönes, tiefes, azurnes Blau tränkt sich "deren" Blut, ein Unrechtszoll der Wirklichkeit, entrichtet von Menschen der anderen Seite, die eine Zukunft auf der "unsrigen" suchen. Das von blutroten Streifen eines tragischen Todes durchzogene frische Urlaubsblau mischt sich über breit auf die Leinwand aufgetragenen Lagen von oxidiertem Eisengrund – Chiffren der Zivilisation, die samt ihren verratenen Werten untergegangen scheint, einem gesunkenen Schiff gleich.
»There are pictures with an iron ground that has to rust first so that the colour can really appear. This process is time coagulated into colour. And then rust can suddenly look like dried blood - like in the picture ›Mare Nostrum‹. The title then creates further associations: Sea, rusty boats, but also blood, life and death on the water. In order to find such things you have to experiment with colours, colours and your own feelings.« (Gert Scobel on 22 September 2018 in his introduction to the vernissage of the exhibition »Farben!«)
What is possession? What is belonging? Where does someone belong? When does one belong? "Mare Nostrum" confronts us with fundamental questions. "Our sea", that's what the Romans called it – as if you could own an ocean. Today, without a global empire as in antiquity, human hubris appears even more intolerable in this term. But "us" and "not you" characterize our epoch, the early 21st century. Here we are, you don't belong here; warm soft beaches are transformed into hard cold walls, from which those who come from elsewhere should be uncompromisingly kept away. – What is happening on "our sea"? Kerstin's picture appears broken, "our" beautiful, deep, azure blue blends with "their" blood, an unjust toll of reality, paid by people on the other side who are looking for a future on "our" side. The fresh vacation blue, pervaded by blood-red stripes of a tragic death, mixes with layers of oxidized iron ground applied broadly to the canvas – ciphers of civilization, which seems to have perished along with its betrayed values, like a sunken ship.